Zur Tour de France: Sechs Fragen an… Hans-Michael Holczer

Es ist wieder soweit, mit der Tour de France startet am 4. Juli eine der bekanntesten Sportveranstaltungen der Welt. Und wie im Vorjahr ist auch die 102. Auflage wegen der vielen Dopingskandale unter besonderer Beobachtung. Zum Anti-Doping-Kampf der UCI habe ich mit dem langjährigen Radsport-Manager Hans-Michael Holczer gesprochen und klare Aussagen bekommen. Aber auch zum Wiedereinstieg der ARD in die Live-Berichterstattung von der Tour de France sowie zum Sponsoring im Radsport.

Holczer_kleinerHerr Holczer, die Tour de France steht in diesem Jahr in Deutschland unter besonderer Beobachtung, da die ARD nun wieder live berichtet, nachdem sie 2011 wegen der Doping-Skandale ausgestiegen war. Hat Sie der Wiedereinstieg der ARD in die Live-Berichterstattung überrascht?

Holczer: Nein, überhaupt nicht. Die Einschaltquoten, die sie mit der Tour de France erzielen können, sind der ARD auch nicht egal.

Sie hatten den Ausstieg der ARD 2011 immer wieder harsch kritisiert. Stehen Sie nun der ARD wieder positiver gegenüber?

Holczer: Die Öffentlich-Rechtlichen haben den Fehler gemacht, Richter zu spielen. Der Ausstieg war eine justizartige Entscheidung. Das ist fatal. Das hat dem Radsport in Deutschland sehr weh getan. Wenn sie jetzt wieder einsteigen, erweckt das den Anschein, sie hätten es geprüft und seien zu dem Schluss gekommen, es ist jetzt alles in Ordnung. Daher könnten sie wieder von der Tour de France berichten. Das ist sehr mutig, denn keiner kann sagen, ob alles so sauber ist wie es scheint. Vor allem darf die ARD davon nicht abhängig machen, ob sie berichten oder nicht.

Die ARD begründet ihren Wiedereinstieg in die Live-Berichterstattung mit den Bemühungen des Radsportweltverbandes UCI gegen Doping. Was halten Sie von dem Anti-Doping-Kampf der UCI?

Holczer: Ich bin überzeugt, dass die neue Führung ihr Bestes tun wird. Sie werden es aber nicht wegkontrollieren können. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die UCI als einziger Sportverband der Welt den Kampf gegen Doping gewinnt. Der Radsport hat es verdient, ohne Frage. Ich würde mich aber nicht so weit aus dem Fenster hängen und eine Meinung dazu abgeben, ob das auch gelingt.

“Mir wurde ins Gesicht gelogen”

Sie haben mit Doping im Profi-Radsport so ihre eigenen Erfahrungen gemacht…

Holczer: Ja, ich habe es als Manager des Radprofiteams Gerolsteiner und Katusha selbst erlebt wie schwer der Kampf gegen Doping ist. Mir wurde ins Gesicht gelogen. Ich habe es rückblickend nicht in den Griff bekommen.

Nach allem was man hört, soll das Interesse deutscher Unternehmen am Radsport als Sponsoringplattform merklich gestiegen sein. Insbesondere auch durch den Wiedereinstieg der ARD in die Live-Berichterstattung der ARD von der Tour de France. Wie bewerten Sie die aktuelle Stimmungslage diesbezüglich bei deutschen Unternehmen?

Holczer: Der Wiedereinstieg der ARD ist die erste Voraussetzung für ein Wiedererwachen des Sponsoreninteresses. Große Unternehmen werden derzeit aber eher nicht einsteigen. Dafür sind die Vorbehalte noch zu groß.

Mit Alpecin und Bora investieren inzwischen wieder zwei deutsche Unternehmen als Titelsponsoren von zwei Radställen in den Radsport. Wie bewerten Sie diese Sponsorships?

Holczer: Die Engagements sind clever. Beide Unternehmen kriegen einen sensationellen Return-on-Invest.

Bildquelle: Hans-Michael Holczer

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  1. Radsport: Auferstanden aus Ruinen - 13. Juli 2015 at 16:46

    […] In den Interviews mit dem ehemaligen Rad-Profi Jörg Jaksche, dem ehemaligen Teammanagers Hans-Michael Holczer und dem Director Product Development von Eurosport, Werner Starz, sind noch weitergehende Aussagen […]

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